Logothetis Sisyphos / Multimedia Oper


Sisyphos

Aus welchem Material ist der Stein von Sisyphos


"Verstimmte Ohren und unerhörte Stimmen"
[Michael Wimmer]

Der Mythos von Sisyphos besteht aus drei Teilen, von denen nur der dritte bekannt ist, in dem Sisyphos in der Unterwelt für seine diesseitigen Sünden einen Felsen oder Stein zum Gipfel eines Berges schieben muß und oben angelangt, rollt ihm der Stein aus den Händen wieder in die Tiefe, er läuft ihm nach, um ihn wieder in die Höhe zu schieben und dies in alle Ewigkeit.

Was nicht so bekannt ist, sind die zwei ersten Teile des Mythos, die über Sisyphos Verhalten im Leben berichten: Zuerst erfährt man, daß er Sohn des Ailos ist, was "der Bewegliche, der Buntschillernde, der Listige" heißt.

Sisyphos Stufen

Sisyphos` Attribute - sein Name ist die gesteigerte Form des Wortes "Sophos"=der Weise, also der "Weiseste" - als Beweglicher, Handgewandter, Gedrungener, gewitzter Gewinner, zunächst als Lob ihm zugedacht, kippen in der Bewertung seiner Taten um und stempeln ihn zum Typus bedenkenloser Schlauheit, der vor Diebstahl und Gewalt nicht zurückschreckt. (Odysseus soll sein Sohn gewesen sein).

Im zweiten Teil des Mythos wird Sisyphos Strafe im Jenseits durch sein Verhalten den Göttern, besonders Zeus gegenüber, motiviert. Dieser zweite Teil ist es, dem ich Momente und Aspekte abgewinne und unter dem Titel: "Aus welchem Material ist der Stein von Sisyphos" aktuell zu gestalten versuche.

Allein der Name Sisyphos weckt bei jenen, die das Bild mit dem rollenden Stein kennen, Assoziationen an eine geistige Situation, die ihre Aktualität bis heute bewahrt hat, im Widerstreit, ob alles in Gang und Fluß sei oder der Gewißheit verfalle, es gäbe keine Erkenntnis, wenn alles sich dauernd verwandelt und - in dauernder Bewegung - sich nicht erfassen ließe.

"Keine nackte griechische Plastik war ein pin-up"
[T.W. Adorno]

"man kennt die Griechen nicht"
[Friedrich Nietzsche]

Dieser bildnerische Transfer von Gedankengängen bietet sich aber ständig bei den Bildern der altgriechischen Mythologie an, weshalb ich ihnen auch verfallen bin. Es ist eine Art alchemistischer Stoff, aus dessen Elementen ich immer wieder versucht bin, neue Gestalten entstehen zu lassen.

Aus dem Leben des Sisyphos waren es einerseits die verbalen Inhalte, die mich faszinierten, etwa der "Verrat göttlicher Geheimnisse", um eine "Quelle für seinen Garten zu erwerben, damit Pegasos, das Pferd der Fantasie und der Poeten in seinem Garten tränke". Es war die Liebesaffäre Zeus mit Äghina, der Tochter des Flußgottes Asopos, die Sisyphos, um jene noch heute in Korinthos existierende Quelle Peirene, an den Vater verriet. Andererseits strotzt das Leben Sisyphos` von Momenten des Jagens und Gejagtwerdens - auch unter den Göttern - so daß die Aktualisierung dieser Momente sich meinem transferierenden Geiste aufdrängt.

In meiner Oper, oder multimedialem Bühnenwerk, spielt sich alles im Atelier eines Bildhauer namens Hermes ab, den die im Mythos vorkommenden Götter aufsuchen, um dort des Kunstliebhabers Sisyphos habhaft zu werden.

[...] Zudem versuche ich die im Mythos nur erwähnte, aber nicht gestaltete Überführung Sisyphos` in die Unterwelt durch Hermes, der ihm charakterlich ähnliche, gewitzigte Gott der Kaufleute und Diebe, aus einer meiner alchemistischen Phantasie erwachsenden, bühnengerechten Konfiguration heraus zu gestalten.

[Anestis Logothetis]



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