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Hatte Richard Wagner seine kühnen Ideen vom Gesamtkunstwerk durch Ausweitung seiner persönlichen Kompetenz auf alle "Sparten" bis hin zum Theaterbau realisiert, hatte Arnold Schönberg in "Moses und Aron" den Konflikt der Brüder "Wort" und "Klang" letztlich als unversöhnlichen Gegensatz eindrucksvoll postuliert, so gelingt es Anestis Logothetis durch die Besinnung auf die sokratische Weisheit von "logos" als Wort, als Klang, als Sinn, als Zeit, als Raum, als Rohstoff und Baustein zugleich, mit der Emotionalität des griechischen Tragöden, der, ernüchtert durch den Gebrauch der deutschen Sprache, Zeichen setzt, "Zeichen als Aggregatzustand von Musik", die verlorengegangene Einheit neu zu finden und zu notieren. Seine entscheidende Leistung ist dabei die geniale Konzentration von Libretto, Partitur und Bühnenbild auf ein einziges Zeichen: das musik-grafisch gestaltete "Wort". Logothetis hat eine neue Qualität von Freiheit für den interpretierenden Darsteller, Sänger, Musiker, Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner geschaffen, indem er absolut präzise alle Informationen, die zur Realisierung notwendig sind, sinnlich erfahrbar darstellt und damit kreative Fantasie und Verantwortung freisetzt, statt sie in einer Fülle von Spiel- und Regieanweisungen dirigistisch einzuschränken. Logothetis, der 1942 nach Wien kam, ursprünglich um Architektur zu studieren, ist in seinen grafischen Partituren, die auch Galerien immer wieder einer Ausstellung wert befinden, Architekt geblieben, ein "Magier zwischen den Medien", einer, den die Maler als Musiker, die Musiker als Literaten, die Literaten als Grafiker apostrophierten und den doch seine Notation in die Instrumente von Japan bis Lateinamerika gezaubert hat. Seine erste abendfüllende Oper "DAIDALIA - oder das Leben einer Theorie" konnten wir zwischen 1979 und 1985 mit ihm selbst als Daidalos und Gunda König als Ikaros, im Bühnenbild seines Bruders Stathis in meiner Regie 40 Mal in allen möglichen Ländern aufführen, Griechenland, Italien, Frankreich, Schweden, Finnland, Slowenien und Kroatien eingeschlossen, wo man sicher nicht immer die Sprache von Anestis Logothetis, sicher aber seine "Sprachsinnlichkeit" verstand und akklamierte. [Dieter Kaufmann] |
Anestis Logothetis - wörtlich aus dem Griechischen übersetzt: "Der auferstandene Wortsetzer" - war Pionier für verschiedene Gebiete der neuen Musik in der zweiten Jahrhunderthälfte. Für die Erfindung GRAFISCHER MUSIK, seit den 50er-Jahren, für die Entwicklung ELEKTROAKUSTISCHER MUSIK, seit Anfang der 60er-, für das MUSIKALISCHE HÖRSPIEL, seit Anfang der 70er-Jahre und für eine neue MUSIKTHEATER-KONZEPTION seit den 80er-Jahren.
"... Die Sprache zum stottern bringen ..." |
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Sisyphos -
Intro -
Konzept -
Logothetis -
Karlbauer -
Darsteller -
Aufführungen