|
"ledet Gelt so schweigt die Welt" [Anestis Logothetis] |
Aus dem Produktionstagebuch Wenn mich mein sechster Sinn nicht täuscht, wird, wie immer, die Entstehungsgeschichte eines Projektes seinem Inhalt mehr als gerecht. Abgesehen davon ist der Stein des Sisyphos natürlich aus KEINEM Material! (9.4.1995) Das Bühnen-Konzept sieht vier auf einander bezogene Teile vor. In jedem Teil werden in sich geschlossene audio-visuelle Segmente der Partitur realisiert. Dies ermöglicht sowohl eine räumliche als auch eine zeitliche Staffelung der Aufführungen. Weiters ist dadurch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Veranstaltern und die Bezugnahme auf verschiedene Orte möglich. Die Summe der vier Teile ergibt das vollständige Werk. (3.5.95) SISYPHOS ist JEDER (19.5.1995)
Immer wieder an den Anfang zurückgepfurzt von den übelriechenden Winden der Götter, die den Olymp in wechselnden Tarngewändern überbevölkern, erwachen wir schweißgebadet, über den Boden verstreut wie die Scherben einer griechischen Vase, und versuchen uns neu zu erschaffen, unserer Existenz Gestalt zu verleihen, zu überleben, während der Wetterbericht den nächsten schwindelerregenden Geruchs-Tornado bereits ankündigt. Und dennoch sollte man sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen!? (11.8.1996)
Aus dem Drehbuch zum
SIE entdeckt eine Metalldose mit Filmresten und Tonbändern. SIE betrachtet die Filmstreifen am Schneidetisch: Zerkratzte, beinahe völlig zerstörte Fragmente einer unvollständigen, kaum entzifferbaren Filmerzählung, überlagert von grafischen Zeichen... Die einzigen identifizierbaren Elemente sind: Eine Frau, die IHR auf überraschende und erschreckende Weise ähnlich sieht und das Ambiente: Die Szenen wurden in Griechenland gedreht und zeigen Bezüge zwischen dem heutigen, modernen Athen und der griechischen Mythologie. Beim Abspielen eines Magnetbandes erklingt die Stimme eines Mannes, der griechisch spricht... |
|
Auf nach Griechenland Die Begegnung mit Stathis Logothetis, bildender Künstler, Bruder des Komponisten, der auch im Bühnenfilm mitwirkt, brachte entscheidende Anregungen für unsere Inszenierung. Die Philosophie seines Lebenswerks, das den Akt der Zerstörung für jede Art der Neu-Schöpfung unbedingt voraussetzt, mag als Motto für diese Produktion gelten sowie Stathis als Einheit von Künstler und Werk dem Komponisten als reales Vorbild für die Figur des Hermes galt. Stathis Logothetis verstarb im Jänner 1997 an den Folgen einer schweren Krankheit. |
|
|
Nicht zuletzt
Aufgrund meines persönlichen Werdeganges als Wanderer zwischen den Medien zog mich der "...Sisyphos" von Anfang an in seinen Bann. Als Darsteller des Minotaurus in seiner Oper "Daidalia" (1984) lernte ich Anestis Logothetis kennen, der gerade die Komposition des "...Sisyphos" beendet hatte. Wir führten erste Gespräche über Realisierungsmöglichkeiten... Doch es kam wie es kommen mußte, die Jahre zogen ins Land, Logothetis starb 1994 und danach "durften" wir mit der szenischen Umsetzung dieses komplexen, schwierigen Werkes beginnen. Teil 1 wurde im Forum Novum des Welt Theater Festivals Art Carnuntum realisiert, Teil 2 im Wiener Museumsquartier. Die Teile 3 und 4, in denen alle Elemente der Oper zu einem geschlossenen Bild zusammengefügt werden, existieren bislang nur als Konzept, Wunsch und Hoffnung. Dennoch, die ersten Schritte sind getan. |
"Ich fürchte
wir werden Gott nicht los, weil wir
noch an die
Grammatik
glauben."
[Friedrich Nietzsche] |
-
Sisyphos -
Intro -
Konzept -
Logothetis -
Karlbauer -
Darsteller -
Aufführungen