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KLEINE ZEITUNG, 24.01.2002 Die Barsängerin, die den Computer erfand Über das Buch "Zeros & Ones" stieß der Villacher Filmemacher Klaus Karlbauer auf die Lebensgeschichte der Mathematikerin Ada Lovelace. So unvereinbar und widersprüchlich die Projekte Klaus Karlbauers zu sein scheinen, sie kreisen immer wieder um den gleichen Themenkomplex: der Mensch zwischen seelenloser (Computer-)Technik und emotionalem Eigenleben, visionärer Fantasie und erdenschwerer Realität. Eine Trilogie, die mit der Internetromanze "forgetme@not begann und eine über Kabel geflüsterte Liebe im Chatroom zum Inhalt hatte, fand jetzt mit "Zeros & Ones" ihren Abschluss. Stoffliche Grundlage: die Lebensgeschichte der Ada Lovelace, Tochter Lord Byrons und geniale Mathematikerin, die die Grundlagen für die Computertechnologie unserer Tage erfand und an der Suche nach der Ausgleichbarkeit von öffentlicher Erwartungshaltung und privatem Schneckenhaus zerbrach. Die historische Ada Lovelace, der Sadie Plant mit dem Buch "Zeros & Ones" ein Denkmal setzte, ist nur durch ihre Texte präsent. Die weibliche Protagonistin (Roswitha Schreiner als Sängerin und Schauspielerin), das Kunstprodukt Rosivita, eine Barsängerin an unbestimmtem Ort und zeitlos, ähnelt der Wissenschafterin aus dem 19. Jahrhundert. Teufelskreis. Wie Ada Lovelace hat sie zwischen Küche, Herd und Kindern zu funktionieren und lebt im ständigen Gewissenskonflikt, eines zu kurz kommen zu lassen. Ein typisches Frauenschicksal? Ja und nein. Ja, weil es abertausende Frauen wie sie gibt, nein, weil die Selbstpräsentation des Künstlers noch zusätzlichen Konflikt birgt. Den szenischen Zusammenhalt bilden Ohrwürmer aus der Hollywood-Traumfabrik, die "Rosivita" sexy hauchend und dem Klischeebild entsprechend darbietet, während ein Film von Ulrich Kaufmann (mit bravouröser Schnitttechnik) die Realität zeigt: Stress mit Kind und Haushalt, ungeschminkte Erschöpftheit. Im Film läuft "Rosivita" in den Wald und erschlägt die quälenden Alben, im Künstlerdasein singt sie weiterhin ihre Schnulzen. Ein Teufelskreis, dem sie nicht entkommt. Die Live-Musik von Klaus Karlbauer und Bernhard Loibner, teils frei improvisiert, reicht von Free Jazz über Coole Groove bis Jimi Hendrix auf Elektronic-Zither. Die anfangs schleppend in Gang geratende Szenerie ist auf eine dramaturgische Entwicklung hin konzipiert, die auch Roswitha Schreiners zu Beginn ein wenig spannungslos dargebotene Performance zu beklemmender Wirkung führt. ILSE SCHNEIDER zurueck |